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Sportler helfen Ronny
von Deutschlandachter über den Schwimm- zum Skistar
09.08.04
«Wir wollen Ronny Ziesmer helfen» so der einhellige Tenor aus dem Lager der Sportler:
Nach dem Bekenntnis der Fußballer des FC Energie Cottbus wollen beispielsweise die Sportakrobaten des SC Hoyerswerda bei der Benefiz-Sportgala des DTB teilnehmen. Antje Michl und Björn Fünfstück wollen sich an der Benefizgala beteiligen. «Das ist uns schon ganz schön nahe gegangen, da wir ja auf einer ähnlichen Sportart unser Hauptbetätigungsfeld haben. Das könnte rein theoretisch auch bei uns passieren. Deshalb haben wir uns zu spontaner Hilfe entschieden und wollen möglicherweise unseren Beitrag bei der Sportgala leisten» , erzählt Daniela Fünfstück vom SC Hoyerswerda. Dabei sind in erster Linie die Aktiven des Vereins gefragt, um im Programmteil das Erlernte der Sportakrobatik zu zeigen. Mit Antje Michl und Björn Fünfstück entschieden sich die Vorzeigeakrobaten des Vereins spontan, dass man in diesem Fall helfen muss. «Es ist eine wahnsinnige Tragik, dass sich dieser Unfall überhaupt ereignet hat und die Folgen so gravierend sind. Mit unserem Auftritt wollen wir zum Gelingen der Gala beitragen, unseren Anteil dafür leisten, dass der Erlös für Ronny Ziesmer recht groß ist» , erzählt Akrobatin Antje Michel. In den nächsten Stunden wird deshalb Post von den Hoyerswerdaer Sportakrobaten an den SC Cottbus gehen, in der die Mithilfe an der Benefizgala angeboten wird. Da ist es den Hoyerswerdaern egal, wo sie im Rahmen dieser Veranstaltung eingebunden werden. «Entscheidend für uns ist, dass wir irgendwie helfen können» , so Antje Michl.

Das Team Telekom Rudern beteiligt sich an der Spendenaktion der Stiftung Deutsche Sporthilfe und des Deutschen Turner-Bundes zugunsten von Ronny Ziesmer.
Mit der Spende in Höhe von 3.000 Euro wollen ihm die Ruderer Mut zusprechen für das Leben nach dem Leistungssport und einen kleinen Beitrag dazu leisten, dass ihm nach Abschluss der stationären Reha-Maßnahmen finanzielle Mittel für sein Leben nach dem Unfall zur Verfügung stehen.
„Als wir von dem schweren Unfall und insbesondere der niederschmetternden Diagnose aus der Presse erfahren haben, waren wir schlicht und ergreifend fassungslos darüber, dass sich ein Sportler auf absolutem Top-Niveau innerhalb weniger Momente auf ein ganz anderes Leben einstellen muss.“, sagte Sebastian Schulte aus dem Deutschland-Achter und Aktivensprecher der Ruderer.
„Für uns war es selbstverständlich, dem Spendenaufruf Folge zu leisten. Denn sein Schicksal ist nicht spurlos an uns vorübergegangen und hat uns tief bewegt“, erklärte Klaus Walkenhorst, Leiter des Stützpunktes Dortmund.


Die bisher höchste Einzelspende verbuchte die Sporthilfe, die das gemeinsame Konto mit dem Deutschen Turner-Bund seit Ende Juli betreut, von dem ehemaligen Ski-Rennfahrer Christian Neureuther. Dieser spielte gemeinsam mit weiteren Mitgliedern des «Eagles Charity Golf Club» bei einem Turnier in München 5 000 Euro zu Gunsten des 25 Jahre alten Turners ein.
«Es ist eine unserer größten Herzensangelegenheiten, Sportlern dann beizustehen, wenn sie ein besonderer Schicksalsschlag mitten aus dem aktiven Sportlerleben reißt, wie jetzt bei Ronny», sagte Neureuther.
Weitere Spendenerlöse sollen durch Veranstaltungen und Maßnahmen während der Olympischen Spiele in Athen im «Deutschen Haus» erzielt werden. Die finanzielle Unterstützung soll Ziesmer und seiner Familie nach Abschluss der stationären Reha-Maßnahmen eine Perspektive für sein Leben nach dem Unfall zu geben.



Noch ein Beispiel: Franziska van Almsick, die dem Kunstturner Ronny Ziesmer nach dessen tragischem Trainingsunfall einen Brief schrieb. Als die 26-jährige Berlinerin vor einigen Wochen im Trainingslager in der spanischen Sierra Nevada von Ziesmers Querschnittslähmung erfuhr, rief sie ihre Teamkollegen zusammen. Man könne jetzt nicht einfach zum Tagesplan übergehen, sagte sie und sendete im Namen der gesamten Nationalmannschaft dem verunglückten Turner eine Botschaft, die ihm Mut zusprechen sollte.

Wer Ronny Ziesmer ebenfalls unterstützen möchte, dem sei das Spendenkonto ans Herz gelegt, auf das auch aus dem Ausland eingezahlt werden kann:
Auf dem Podium wird meist nur noch Russisch gesprochen
Andreas Hirsch über das internationale Turnen vor Athen
08.08.04
"Trotz unverkennbarer Fortschritte wird es für uns immer schwerer, bei Großereignissen wie Weltmeisterschaften oder Olympischen Spielen gut abzuschneiden oder gar in die Nähe der Medaillenränge zu kommen."
Chef-Bundestrainer Hirsch weiß, wovon er spricht.
Fakt Nummer eins ist, dass die Asiaten für das Turnen besser prädestiniert sind, weil sie von ihrem kleineren und leichteren Körperbau profitieren und diese Vorteile auch entsprechend ausnutzen.
Fakt Nummer zwei ist, dass nach der Auflösung der Sowjetunion nicht mehr nur eine starke Riege antritt, sondern mindestens fünf oder gar sechs als Konkurrenten in Frage kommen als da wären Russland, Weißrussland, Ukraine, Kasachstan, Georgien und Lettland.
Fakt Nummer drei ist, dass das russische Know how heutzutage in die ganze Welt transportiert wird. Die jüngsten Erfolge von Frankreich, Kanada, Australien, Brasilien, aber auch Japan und USA sind darauf zurückzuführen, dass Trainer aus der ehemaligen UdSSR in diesen Ländern arbeiten.
Fakt Nummer vier ist, dass neue Länder hinzukommen wie beispielsweise Brasilien, wo Temperament und soziale Armut gepaart mit Motivation und dem Willen für ein besseres Leben geradezu einen fruchtbaren Boden für eine Leistungsexplosion bereiten. So gab es beispielsweise bei der WM 2003 in Anaheim /USA erstmals eine Goldmedaille für das südamerikanische Land durch eine Bodenturnerin.
"Egal, wohin wir auch kommen, auf dem Podium wird meist nur noch Russisch gesprochen", stellte Hirsch fest, der als weiteren Grund ausgemacht hat, "dass bei uns, im Gegensatz zu vielen anderen Ländern, ein Großteil der Spitzensportler relativ gut abgefedert ist."
Obwohl die Elle international höher gelegt wurde, sieht der Bundestrainer dennoch nicht schwarz, weil er fest davon überzeugt ist, dass die deutschen Turner aus dem tiefen Tal heraus sind und dass nur noch ein Quäntchen Glück zum Erfolg fehlt, um statt eines vierten Platzes eine Medaille zu holen.
Dafür könnte unter anderem einer sorgen, der erst vor wenigen Wochen dreifacher Jugend-Europameister in Ljubljana geworden ist, Fabian Hambüchen aus Wetzlar, der am Reck, Pferdsprung und Boden siegte und außerdem die Mannschaft zu einem zweiten Platz führte, was vorher noch nie eine deutsche Nachwuchsriege (mit Phillip Boy / Cottbus) geschafft hatte.
Sein Vorteil ist die gute Ausbildung auf dem Trampolin, sagt Hirsch und zählt dann noch weitere Gründe für seine beachtliche Leistungsentwicklung auf: Er hat keine Angst vor Bewegungssituationen, ist koordinativ stark, lebensbejahend, positiv motiviert und möchte gern das präsentieren, was er gelernt hat.
"Hoffentlich kann er sich seine Unbekümmertheit möglichst lange bewahren", so der Bundestrainer, der den achten Platz für Athen anpeilt, weil davon auch die zukünftige Förderung durch den Bundesleistungsausschuss und damit auch das Bundesinnenministerium abhängt.

Allerdings fliegen die deutschen Turner mit einem großen seelischen Rucksack nach Athen , denn einer der ihren liegt schwer verletzt im Unfallkrankenhaus von Berlin. Ronny Ziesmer (24) wird nach seinem furchtbaren Trainingssturz beim Vorbereitungslager in Kienbaum, wo er den Bruch der Halswirbelsäule und eine Quetschung des Rückenmarks erlitt, künftig unterhalb des Kopf gelähmt sein. Der Deutsche Mehrkampfmeister von 2003 war beim Pferdsprung nach einem Tsukahara mit Doppelsalto unglücklich auf dem Kopf gelandet. Trotz sofortigen Transports mit einem Rettungshubschrauber in die Klinik und einer Operation gelang den Ärzten nur eine Stabilisierung der Wirbelsäule, um weitere Schäden zu verhindern, doch mehr stand nicht in ihrer Macht. Die Verletzung des Rückenmarks erwies sich als irreversibel. Verständlich, dass bei allen der Schock tief saß. Cheftrainer Andreas Hirsch sprach von dem schwärzesten Erlebnis seines Lebens. DTB-Präsident Rainer Brechtgen sagte, dass man dem Verunglückten und seinen Angehörigen alle erdenkliche Unterstützung sowohl in materieller Art als auch psychologischer Betreuung zuteil kommen lassen will. Kienbaum-Geschäftsführer Klaus-Peter Nowack, der wie viele andere Mitarbeiter des Bundesleistungszentrums erschüttert war, erklärte sich ebenfalls sofort bereit, Hilfsmaßnahmen ins Leben zu rufen.
(source: kienbaum)
Ronny's großer Wunsch: Auto fahren
Vater Bernd Ziesmer über seinen schwer verunglückten Sohn Ronny / Dank für Unterstützung
07.08.04
Die Briefe und E-Mails lassen sich inzwischen nicht mehr zählen. Allein auf dem vom SC Cottbus eingerichteten Spendenkonto sind bisher 20.000 Euro eingegangen. Mit überaus großer Anteilnahme hat die Sportwelt in den vergangenen drei Wochen auf den schweren Trainingsunfall von Ronny Ziesmer reagiert. «Ronny und wir als Familie freuen uns sehr über die große Anteilnahme aus der ganzen Welt. Vor allem Ronny hat es in den schweren Stunden sehr geholfen. Dafür möchten wir uns ausdrücklich bedanken» , sagte in einem RUNDSCHAU-Gespräch gestern Bernd Ziesmer, Vater des Turners vom SC Cottbus.
Ronny Ziesmer freut sich über die große Anteilnahme.
Der tragische Unfall vom 12. Juli hat nicht nur das Leben von Ronny Ziesmer auf dramatische Weise verändert. An diesem Tag stürzte der 25-Jährige im Rahmen der Olympiavorbereitung der deutschen Turner im Bundesleistungszentrum Kienbaum so schwer, dass er mit bleibenden Lähmungen leben muss. Auch für Bernd und Brigitte Ziesmer, Ronnys Eltern, ist der 12. Juli ein tiefer Einschnitt. «Ronny hat fast mehr Kraft als ich» , sagt Bernd Ziesmer mit stockender Stimme.

«Ronny will es schaffen»
Sein Sohn wird zurzeit in der Klinik für Unfall- und Wiederherstellungs-Chirurgie des Unfallkrankenhauses Berlin (ukb) behandelt. Erste, ganz leichte gesundheitliche Verbesserungen machen Ronny, seiner Freundin Kati und der Familie in Groß Oßnig Hoffnung. «Ronny hat den Lebenswillen, es zu schaffen – egal wie. Er hat natürlich die Hoffnung, dass sein gesundheitlicher Zustand nur besser werden kann. Sein großer Wunsch ist es, irgendwann wieder Auto fahren zu können» , beschreibt Bernd Ziesmer den ungebrochenen Kampfeswillen seines Sohnes, der ihn auch schon als Leistungssportler auszeichnete. Und dann schiebt Bernd Ziesmer mit leiser Stimme nach: «Aber seine gesundheitliche Entwicklung ist absolut offen.»
Etwa ein halbes Jahr wird Ronny Ziesmer noch in Berlin medizinisch betreut. Ein Blick zurück im Zorn auf das Turnen und die lauernden Gefahren will Bernd Ziesmer nicht. «Der Sport hat damit nichts zu tun. Andere Menschen verunglücken beim Baden. Das sollte er sich nicht vorwerfen.» Der Blick geht vielmehr in die Zukunft. Ob Ronny Ziesmer nach Abschluss der stationären Behandlung nach Cottbus zieht oder zu seinen Eltern – das ist offen. «Wir versuchen natürlich, viel vorzubereiten. Aber es hängt eben fast alles von der weiteren gesundheitlichen Entwicklung ab. Deshalb lässt sich jetzt noch wenig entscheiden» , berichtet Bernd Ziesmer.

DSB ruft zur Hilfe auf «Es kommt darauf an, Ronny Ziesmer nach Abschluss der stationären Reha-Maßnahmen eine Perspektive für sein Leben nach dem Unfall zu geben» , betonte gestern erneut Manfred von Richthofen, Präsident des Deutschen Sportbundes (DSB). Der DSB hat sich unlängst der vom Deutschen Turner-Bund (DTB) und der Stiftung Deutsche Sporthilfe initiierten Hilfsaktion für Ziesmer angeschlossen.
Der DSB will sich auch an der Vorbereitung und Durchführung einer im Herbst geplanten großen Benefiz-Veranstaltung (die RUNDSCHAU berichtete) für Ronny Ziesmer beteiligen, teilte der DSB gestern mit. Bernd Ziesmer hat die große Anteilnahme bewegt – und Ronny hat sie etwas Kraft in schweren Stunden gegeben. Bernd Ziesmer: «Sogar bei uns im Ort wurde eine Spendensammlung durchgeführt. Ronny ist zwar nicht der Typ für öffentlichen Rummel um seine Person. Trotzdem zollen wir jedem unseren Dank, der sich bemüht, ihm zu helfen.»
(source:lr-online.de)
Robert Juckel - Unser Mann in Athen
“richtig reinhängen”
05.08.04
Der Cottbuser Turner Robert Juckel macht gegenwärtig eine besonders schwere Zeit durch. Nach dem dramatischen Trainingsunfall seines Vereinskameraden und Freundes Ronny Ziesmer steht sein Traum, die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Athen, plötzlich in einem völlig anderen Licht. Gerade deshalb will sich der 22-Jährige “richtig reinhängen.” Der 1,64 Meter kleine Turn-Flo ist zwar Mehrkämpfer, wird aber wahrscheinlich nur mit der Mannschaft und an den Einzelgeräten Boden, Pferd, Ringe, Sprung und Reck eingesetzt. “Ob ich im Sechskampf starte, entscheidet sich kurzfristig.” Juckel weiß, dass er als Einzelstarter in Athen nur eine Außerseiterchance hat, um überhaupt das Finale zu erreichen. “Es gibt einfach zu viele Spezialisten an den einzelnen Geräten”, erklärt der Athlet aus der Sportfördergruppe der Bundeswehr. Hauptziel bei Olympia sei deshalb der Einzug der Mannschaft in die Runde der letzten acht. Auf die Frage, ob er tatsächlich nach Athen seine Karriere beendet, antwortet Robert Juckel: “Natürlich macht man sich in dieser Situation Gedanken. Aber ich denke, dass es für mich weitergeht und Olympia 2008 wäre noch einmal ein großes Ziel.”
(source: WoKu)
Ziesmers Unfall überschattet Olympia - Vorbereitung
Vor allem Ziesmers Trainingsgefährten Thomas Andergassen (Stuttgart) und Robert Juckel (Cottbus - Foto) haben bis heute den Vorfall nicht komplett verdaut
04.08.04
Die Trainer werden noch immer von Alpträumen geplagt, die Athleten haben den Schock nur zum Teil verkraftet: Auch drei Wochen nach dem schlimmsten Unfall der deutschen Turn-Geschichte überschattet das Schicksal von Ronny Ziesmer die Olympia-Vorbereitung der deutschen Turn-Riege.

Der 25-jährige Cottbuser wird nach seinem schweren Sturz im Training voraussichtlich sein Leben lang querschnittgelähmt bleiben. «Gerade die beiden Jüngeren, Fabian Hambüchen und Mathias Fahrig, haben die Situation am besten verkraftet, sie sind jetzt zu Stützen des Teams geworden», meint Cheftrainer Andreas Hirsch, dem die Qualen der zurückliegenden Wochen noch immer ins Gesicht geschrieben sind.

«Alles ist aus den Bahnen geraten, das ganze System abgestürzt. Oft habe ich mir nach dem Sturz die Frage gestellt, was machst Du eigentlich? Macht Deine Arbeit noch Sinn? Ich denke, nach so einem Vorfall ist das legitim», sagt der Berliner, der den am 12. Juli bei einem Tsukahara-Doppelsalto beim Sprung verunglückten Ziesmer schon mehrfach im Krankenhaus besucht hat.

Der Chefcoach musste sich in den zurückliegenden Tagen mehr als Psychologe denn als sportlicher Leiter engagieren. «Die leisen Töne standen im Vordergrund. Es galt, mehr zu hinterfragen als anzusagen», so Hirsch. Der 46-Jährige vermied daher auch administrative Anweisungen und versuchte, seinen Jungs Mut zu machen, ihren Glauben an das eigene Können zu stärken. «Ohne Frage, wir gehen auch sportlich mit einem klaren Verlust aus Ronnys Schicksal hervor. Aber das Ziel bleibt der achte Platz, auch wenn vielleicht unter einem anderen Stern», erklärt Hirsch.
Mit Platz acht unter zwölf Nationen würde sich für die Turner ein sportlicher Traum erfüllen. «Plötzlich hätten wir sechs Aktive in der A-Kader-Förderung. Darauf ließe sich aufbauen», hofft Hirsch in Athen auf das Ende des sportlichen Tiefs. Der Länderkampf gegen Rumänien und Italien mit 223 Punkten (bei der WM 2003 erkämpften die Deutschen mit 219 Zählern Platz 12) nur fünf Tage nach dem Horror-Sturz habe das Team zusammengeschweißt. «Da haben wir gezeigt, dass wir noch handlungsfähig sind. Mit einer solchen Leistung können wir in Athen unsere Ziele schaffen», sagt Hirsch.
Der Coach weiß aber auch: «Nach dem Wettkampf habe ich einige abkippen sehen. Erst spät ist allen die Tragweite der Situation klar geworden». Vor allem Ziesmers Trainingsgefährten Thomas Andergassen (Stuttgart) und Robert Juckel (Cottbus) haben bis heute den Vorfall nicht komplett verdaut. So wird der deutsche Mehrkampf-Meister Andergassen in Athen nicht am Sprung starten und kann somit den Sechskampf nicht durchturnen, Juckel äußerte schon Gedanken über ein Karriereende.
Erstaunlich gut hat hingegen Deutschland größtes Turntalent Fabian Hambüchen die Situation gemeistert. Der mit 16 Jahren jüngste deutsche Turner der Olympia-Geschichte wird in Athen nun sogar alle sechs Geräte in Angriff nehmen. «Es wäre aber nicht korrekt, wenn ich sage: Es geht ein Jetzt-erst-recht-Effekt durch die Truppe. Dafür sind die Reaktionen viel zu differenziert», konstatiert Hirsch. Dennoch erwartet er eine gute Vorstellung seines Teams: «Alle wissen, Olympia ist etwas besonderes. Deshalb werden sie für das Ziel kämpfen. Das ist auch in Ronnys Sinne».
(source:dpa)
Dünner Halt
Wie Bundestrainer Andreas Hirsch die Querschnittslähmung seines Turners Ronny Ziesmer verarbeitet
02.08.04
Als Andreas Hirsch völlig am Ende war, ging er zum Friseur. Er setze sich in den Sessel, und die Friseurin fragte freundlich: „Welchen Schnitt wollen Sie?“ Hirsch blickte sie gleichgültig an. „Wissen Sie was, Sie haben eine Schere in der Hand, machen Sie, was Sie wollen.“ Danach war Schweigen. Hirsch holte an diesem Tag auch noch Kontoauszüge ab. Aber sie interessierten ihn nicht. Am Morgen hatte er versucht auszuschlafen. Geschafft hat er es nicht. Vieles, was er sich vornahm, wollte einfach nicht klappen. „Ich war total leer.“

Das Wochenende hatte er noch irgendwie durchgestanden. „Obwohl ich dachte, mir platzt die Birne.“ Er musste noch zum Länderkampf nach Schwäbisch Gmünd zwischen Deutschland, Italien und Rumänien. Hirsch ist der Bundestrainer der deutschen Turner. „Ich stand unter Schock, aber ich habe es in diesem Moment nicht gemerkt“, erzählt Hirsch. Er funktionierte einfach, und vielleicht war das gerade gut. So konnte er die Bilder verdrängen von Ronny Ziesmer, dem Turner, der einige Tage zuvor noch auf dem Sprung zur internationalen Spitze war. Jetzt lag Ziesmer im Unfall-Krankenhaus Berlin, querschnittsgelähmt vom Hals an. Ziesmer war nach einem Tsukahara mit Doppelsalto auf dem Kopf gelandet. Ein tragischer Unfall im Leistungszentrum Kienbaum. Der Bundestrainer stand daneben.

Hirsch sitzt jetzt wieder in Kienbaum, in einem Wintergarten am See. Er blickt oft aus dem Fenster beim Reden, häufig knetet er seine Finger. Irgendwann lächelt Hirsch plötzlich und sagt dann fast lustvoll: „Die Sonne geht wieder auf.“ Das sagt er vor allem zu sich.

Der Trainer steht jetzt nicht mehr nur vor vielen Fragen und Selbstvorwürfen. Er spürt Optimismus. Hirsch sagt: „Ronnys derzeitiger Zustand ist nicht der Endzustand.“ Diesen Satz wiederholt er vier, fünf Mal und unterstreicht ihn mit entschlossenen Blicken. Hirsch, das wird klar, will es einfach glauben. Nichts gibt ihm Gewissheit. Die Ärzte jedenfalls machen Ziesmer keine Hoffnung.

Aber Hirsch ist fest davon überzeugt, seit er Ziesmer besucht hat. Beim ersten Mal sprachen sie kaum drei Worte. „Ich habe ihn gesehen, aber nicht wirklich besucht.“ Am nächsten Tag ging er wieder hin, „mit wackligen Knien“. Hirsch steht vom Sofa auf und stellt die Szene nach. „Ach, Herr Hirsch, Sie sind’s“, hatte Ziesmer gesagt, so als würde ein Bekannter zum Biertrinken vorbeikommen. Im Krankenzimmer redeten sie dann, eine Stunde lang. Irgendwann flüsterte Ziesmer plötzlich: „Herr Hirsch, schauen Sie mal die Krankenschwestern da drüben. Die haben einen brutal harten Job. Ich könnte das nicht.“ Hirsch ist immer noch ergriffen. „Da liegt er querschnittgelähmt und macht sich Gedanken über die harte Arbeit der Krankenschwestern.“ Diese Einstellung hat ihn beeindruckt. „Der verkörpert das Gegenteil von Aufgeben. Das ist faszinierend.“ Für ihn, den 20 Jahre Älteren, muss die Situation fast schon etwas Beschämendes gehabt haben. „Ronny hat mir gegeben, was ich ihm eigentlich geben wollte.“ Lebensmut und Kraft in einer besonders schwierigen Situation.

Aber wie viel Kraft hätte Hirsch, bei allem guten Willen, wirklich geben können in dieser Stunde? Er hatte schließlich selbst kaum Kraft, alles durchzustehen. Und er musste Entscheidungen treffen. Es gab Trainer, die rieten ihm, den geplanten Länderkampf wegen Ziesmers Unfall abzusagen. Andere sagten, er müsse ihn durchziehen. „Da stehst du mit dem Rücken zur Wand.“ Schließlich fragte er die Turner. Kein anderer, sagt Hirsch, hatte das Recht zu entscheiden. Die Turner wollten antreten. Hirsch hatte jeden zudem gefragt: „Bei welchen Übungen hast du Probleme?“ Thomas Andergassen beherrscht den Sprung, bei dem Ziesmer stürzte. Er sagte: „Was ist, wenn ich mit dem Arm wegrutsche?“ Er verzichtete auf den Sprung. Hirsch war dankbar dafür.

Hirschs Frau ist Physiotherapeutin, sie empfängt zu Hause auch Rollstuhlfahrer. Hirsch hat also seit langem unmittelbaren Kontakt mit Querschnittgelähmten. Aber Ziesmers Unfall hat eine andere Dimension. „Ich habe durch den Unfall einen ganz anderen Reifegrad erreicht.“ In einer Trainingseinheit Anfang der Woche verpatzte Sergej Pfeifer gleich dreimal eine Reckübung. Früher hätte Hirsch sich lange darüber aufgeregt. „Jetzt bin ich viel schneller wieder gelassen.“ Die Relationen haben sich verschoben.
(tagesspiegel)
Nachwuchs-News
Saisonstart beim Nachwuchs des SCC
30.07.04
Ronny’s Botschaft hinterlässt auch Spuren bei den Nachwuchsturnern des SCC:

"Einen schönen Gruß an alle Jungs... sie sollen die 'Arschbacken' zusammenkneifen und ein ordentliches Ding machen, ... und wenn sie mögen, auch ein wenig für mich...!



So trafen sich zum Saisonstart in Saarbrücken zum„deutsch- französisches Trainingscamp“ Sportler verschiedenster Nationen zum Training. Sportakrobaten, Trampolinturner, Rhytmische Sportgymnastinnen und Nachwuchssportler der Sport-Aerobic tauschten gegenseitig Erfahrungen aus und erlebten gemeinsam einiges. Vom SC Cottbus Turnen e.V. war Trampolinturnerin Kristin Kaiser eingeladen und konnte so viele wertvolle Erfahrungen für ihre weitere Entwicklung sammeln.

Derweilen starteten die jüngsten Turner des Vereins mit ausgezeichneten Leistungen in ihr Trainingslager. Mit 13 Landesmeistertiteln dazu 8 Silber- und 11 Bronzemedaillenmedaillen im Gepäck ließen sich die ersten Übungen nach den Ferien leicht bewältigen. Mit Johannes Kalmbach, Paul Elfert und Chris Jungnick in der AK 9, Eric Koppermann, Richard Hampel und Julien Seifert in der AK 8 sowie Tim Spetzke, Toni Groch und Yannik Faustmann in der AK 7 hat Trainerin Kerstin Kießling hoffnungsvolle Talente in den von Ihr betreuten Trainingsgruppen.
(scc)
DTB plant Sportgala für Ronny Ziesmer
Ende September in Berlin / Erlös geht an den Cottbuser Turner
27.07.04
Der Deutsche Turner-Bund (DTB) plant für Ende September in Berlin eine große Sportgala. Der Erlös der Veranstaltung soll an Turner Ronny Ziesmer fließen. Der Cottbuser war vor zwei Wochen im Training schwer verunglückt und wird voraussichtlich vom Hals abwärts gelähmt bleiben.

Turnen und Show: Der DTB bereitet momentan für Ende September eine Show-Veranstaltung in der Berliner Schmeling-Halle vor. Der Reinerlös der Sportgala soll dem schwer verunglückten Cottbuser Turner Ronny Ziesmer zugehen.
In den letzten Tagen glühten die Telefondrähte zwischen Frankfurt/Main, Potsdam, Berlin und Cottbus. Inzwischen ist klar: DTB, Märkischer Turner-Bund, Berliner Turner-Bund und Ziesmers Heimverein SC Cottbus Turnen bereiten eine große Sportgala vor. Das bestätigte gestern der Hans-Peter Wullenweber, Generalsekretär des Deutschen Turner-Bundes. Am Donnerstag treffen sich die beteiligten Partner – für den SC Cottbus nimmt Präsident Wolfgang Wollgam an den Beratungen teil – in Berlin, um weitere Einzelheiten festzulegen. Als Veranstaltungsort nannte Wullenweber gestern die renommierte Max-Schmeling-Halle, in der je nach Bestuhlung bis zu 12 000 Besucher Platz finden könnten. «Um die Halle möglichst voll zu bekommen, brauchen wir dann natürlich das Fernsehen» , sagte Wullenweber weiter. Erste Gespräche mit dem Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) seien viel versprechend verlaufen. Werde hier Einigkeit erzielt, sei der 25. September (ein Samstag) als Veranstaltungstag denkbar. Zum geplanten Programm wollte sich Wullenweber noch nicht äußern. «Ich bitte da um Verständnis, da wir noch in der Planungsphase sind» , sagte der DTB-Generalsekretär. Klar scheint nur, dass die Veranstaltung weit über turnerische Darbietungen der verschiedenen DTB-Nationalmannschaften (Turnen, Rhythmische Sportgymnastik, Trampolin) sowie internationaler Gast-Turner hinaus gehen soll. Denkbar wäre beispielsweise ein Auftritt der Show «Feuerwerk der Turnkunst» , die der Niedersächsische Turner-Bund (NTB) mit großem Erfolg in den vergangenen Jahren auch schon über die Grenzen Niedersachsens hinaus gezeigt hat. Brilliante Tänzer, Jongleure, Rhönradfahrer und Akrobaten sowie ein spektakuläres Musik- und Lichtschauspiel sorgten in Hannover, Hamburg, Kiel oder Magdeburg immer wieder für ausverkaufte Hallen.

Erste Spendenbilanz:
Neben unzähligen Genesungswünschen aus aller Welt für Ronny Ziesmer, der gestern im Unfallkrankenhaus Berlin seinen 25. Geburtstag feierte, sind inzwischen auch schon zahlreiche Spenden eingegangen. «Bei uns sind mit Stand Freitag Spenden in Höhe von 4.800 Euro eingezahlt» , sagte Reinhard Rau, Geschäftsführer des SC Cottbus Turnen. Beim Deutschen Turner-Bund sind etwa 2500 Euro eingegangen. Anlässlich der Verabschiedung der Olympiateilnehmer der Region Stuttgart – darunter Turner Robert Juckel vom SC Cottbus – hat auch die DaimlerChrysler Bank ein Spendenkonto für Ziesmer eingerichtet. Dr. Roland Folz, Vorstandsvorsitzender der DaimlerChrysler Bank, zeigte sich bestürzt vom Trainingsunfall und erklärte sich spontan bereit, Ziesmer mit 5000 Euro zu unterstützen. Rainer Brechtken, Präsident des Schwäbischen und Deutschen Turner-Bundes: «Wir rufen die Turnfreunde des Landes auf, Ronny weiter zu unterstützen. Es geht vor allem darum, Ziesmer und seiner Familie bei den zu erwartenden Kosten nach Abschluss seiner stationären Reha-Maßnahmen finanzielle Hilfestellung zu geben.»
source:(lr-online.de)
Nicht auf Rosen gebettet
KTV Hohenlohe sammelt Geld für Schwerverletzten
27.07.04
Der schwere Trainingsunfall von Ronny Ziesmer löste auch bei den Turnerinnen und Turnern der KTV Hohenlohe einen tiefen Schock aus. Der Cottbuser Nationalturner verletzte sich kürzlich beim Sprung über den Sprungtisch so schwer, dass er seither querschnittgelähmt ist.
Wohl wissend, dass es tagtäglich zahlreiche Freizeitunfälle mit den denselben Folgen wie bei dem Turner gibt, ist doch der Brandenburger für alle Gerätturner in Deutschland eine bekannte Größe. Einige KTV-Turner standen schon bei Wettkämpfen auf Bundesebene in derselben Riege.

"Turner sind nicht auf Rosen gebettet", so der Präsident der KTV Hohenlohe Kurt Gesper und er meint damit die geringen finanziellen Mitteln, mit denen diese Amateursportler ausgestattet sind. "Zwar trainieren sie wie Profisportler, meist zweimal am Tag, doch ihre materielle Versorgung auch nach ihrer turnsportlichen Karriere ist eher bescheiden", meint auch der Leiter des Öhringer Kunst-Turn-Stützpunktes, Frieder Hindermann.

Deswegen wollen die KTV-Verantwortlichen jetzt eine Spendenaktion für Ronny Ziesmer starten. Darin eingebettet soll auch im September eine Benefizveranstaltung sein, dessen Erlös ausschließlich für den verletzten Turner bestimmt sein soll.
(source:fnweb.de)
Ronny Ziesmer beginnt mit Rehabilitationsmaßnahmen
nach schwerem Trainingsunfall Intensivstation des Unfallkrankenhauses Berlin verlassen.
26.07.04
Ziesmer, der heute 25 Jahre alt wird, wurde in der Vorwoche in die Klinik für Unfall- und Wiederherstellungs-Chirurgie des ukb verlegt.
Dies bestätigte sein Verein, der SC Cottbus Turnen, der es sich nicht nehmen ließ, bei einem Besuch die herzlichsten Genesungswünsche der Vereinsmitglieder, vieler Weggefährten und geradezu zahlloser Turn- und Sportfreunde aus aller Welt zu überbringen.

Trotz optimaler medizinischer Versorgung und sofort eingeleiteter Operation wird der Cottbuser Turner, der bereits für die Olympischen Spiele in Athen nominiert war, nach seinem schweren Trainingsunfall, bei dem er sich eine Halswirbel-Fraktur zuzog und das Rückenmark gequetscht wurde, nach medizinischem Ermessen kopfabwärts gelähmt bleiben.

Ziesmer wird noch bis zu einem dreiviertel Jahr im Krankenhaus bleiben und sich dort auf sein weiteres Leben vorbereiten. Dies tut er mit derselben Akribie und dem selben Ehrgeiz, die Ihn schon als Turner auszeichneten.
Unterstützt wird er dort neben dem Team des ukb, vor allem von seiner Freundin und seiner Familie.
«Wir können ihm nicht die Hoffnung geben, wieder gehen zu können, wir können ihm aber die Hoffnung geben, wieder ein erfülltes Leben führen zu können», so Chefarzt Andreas Niedeggen.
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