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DTB plant Sportgala für Ronny Ziesmer
Ende September in Berlin / Erlös geht an den Cottbuser Turner
27.07.04
Der Deutsche Turner-Bund (DTB) plant für Ende September in Berlin eine große Sportgala. Der Erlös der Veranstaltung soll an Turner Ronny Ziesmer fließen. Der Cottbuser war vor zwei Wochen im Training schwer verunglückt und wird voraussichtlich vom Hals abwärts gelähmt bleiben.

Turnen und Show: Der DTB bereitet momentan für Ende September eine Show-Veranstaltung in der Berliner Schmeling-Halle vor. Der Reinerlös der Sportgala soll dem schwer verunglückten Cottbuser Turner Ronny Ziesmer zugehen.
In den letzten Tagen glühten die Telefondrähte zwischen Frankfurt/Main, Potsdam, Berlin und Cottbus. Inzwischen ist klar: DTB, Märkischer Turner-Bund, Berliner Turner-Bund und Ziesmers Heimverein SC Cottbus Turnen bereiten eine große Sportgala vor. Das bestätigte gestern der Hans-Peter Wullenweber, Generalsekretär des Deutschen Turner-Bundes. Am Donnerstag treffen sich die beteiligten Partner – für den SC Cottbus nimmt Präsident Wolfgang Wollgam an den Beratungen teil – in Berlin, um weitere Einzelheiten festzulegen. Als Veranstaltungsort nannte Wullenweber gestern die renommierte Max-Schmeling-Halle, in der je nach Bestuhlung bis zu 12 000 Besucher Platz finden könnten. «Um die Halle möglichst voll zu bekommen, brauchen wir dann natürlich das Fernsehen» , sagte Wullenweber weiter. Erste Gespräche mit dem Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) seien viel versprechend verlaufen. Werde hier Einigkeit erzielt, sei der 25. September (ein Samstag) als Veranstaltungstag denkbar. Zum geplanten Programm wollte sich Wullenweber noch nicht äußern. «Ich bitte da um Verständnis, da wir noch in der Planungsphase sind» , sagte der DTB-Generalsekretär. Klar scheint nur, dass die Veranstaltung weit über turnerische Darbietungen der verschiedenen DTB-Nationalmannschaften (Turnen, Rhythmische Sportgymnastik, Trampolin) sowie internationaler Gast-Turner hinaus gehen soll. Denkbar wäre beispielsweise ein Auftritt der Show «Feuerwerk der Turnkunst» , die der Niedersächsische Turner-Bund (NTB) mit großem Erfolg in den vergangenen Jahren auch schon über die Grenzen Niedersachsens hinaus gezeigt hat. Brilliante Tänzer, Jongleure, Rhönradfahrer und Akrobaten sowie ein spektakuläres Musik- und Lichtschauspiel sorgten in Hannover, Hamburg, Kiel oder Magdeburg immer wieder für ausverkaufte Hallen.

Erste Spendenbilanz:
Neben unzähligen Genesungswünschen aus aller Welt für Ronny Ziesmer, der gestern im Unfallkrankenhaus Berlin seinen 25. Geburtstag feierte, sind inzwischen auch schon zahlreiche Spenden eingegangen. «Bei uns sind mit Stand Freitag Spenden in Höhe von 4.800 Euro eingezahlt» , sagte Reinhard Rau, Geschäftsführer des SC Cottbus Turnen. Beim Deutschen Turner-Bund sind etwa 2500 Euro eingegangen. Anlässlich der Verabschiedung der Olympiateilnehmer der Region Stuttgart – darunter Turner Robert Juckel vom SC Cottbus – hat auch die DaimlerChrysler Bank ein Spendenkonto für Ziesmer eingerichtet. Dr. Roland Folz, Vorstandsvorsitzender der DaimlerChrysler Bank, zeigte sich bestürzt vom Trainingsunfall und erklärte sich spontan bereit, Ziesmer mit 5000 Euro zu unterstützen. Rainer Brechtken, Präsident des Schwäbischen und Deutschen Turner-Bundes: «Wir rufen die Turnfreunde des Landes auf, Ronny weiter zu unterstützen. Es geht vor allem darum, Ziesmer und seiner Familie bei den zu erwartenden Kosten nach Abschluss seiner stationären Reha-Maßnahmen finanzielle Hilfestellung zu geben.»
source:(lr-online.de)
Nicht auf Rosen gebettet
KTV Hohenlohe sammelt Geld für Schwerverletzten
27.07.04
Der schwere Trainingsunfall von Ronny Ziesmer löste auch bei den Turnerinnen und Turnern der KTV Hohenlohe einen tiefen Schock aus. Der Cottbuser Nationalturner verletzte sich kürzlich beim Sprung über den Sprungtisch so schwer, dass er seither querschnittgelähmt ist.
Wohl wissend, dass es tagtäglich zahlreiche Freizeitunfälle mit den denselben Folgen wie bei dem Turner gibt, ist doch der Brandenburger für alle Gerätturner in Deutschland eine bekannte Größe. Einige KTV-Turner standen schon bei Wettkämpfen auf Bundesebene in derselben Riege.

"Turner sind nicht auf Rosen gebettet", so der Präsident der KTV Hohenlohe Kurt Gesper und er meint damit die geringen finanziellen Mitteln, mit denen diese Amateursportler ausgestattet sind. "Zwar trainieren sie wie Profisportler, meist zweimal am Tag, doch ihre materielle Versorgung auch nach ihrer turnsportlichen Karriere ist eher bescheiden", meint auch der Leiter des Öhringer Kunst-Turn-Stützpunktes, Frieder Hindermann.

Deswegen wollen die KTV-Verantwortlichen jetzt eine Spendenaktion für Ronny Ziesmer starten. Darin eingebettet soll auch im September eine Benefizveranstaltung sein, dessen Erlös ausschließlich für den verletzten Turner bestimmt sein soll.
(source:fnweb.de)
Ronny Ziesmer beginnt mit Rehabilitationsmaßnahmen
nach schwerem Trainingsunfall Intensivstation des Unfallkrankenhauses Berlin verlassen.
26.07.04
Ziesmer, der heute 25 Jahre alt wird, wurde in der Vorwoche in die Klinik für Unfall- und Wiederherstellungs-Chirurgie des ukb verlegt.
Dies bestätigte sein Verein, der SC Cottbus Turnen, der es sich nicht nehmen ließ, bei einem Besuch die herzlichsten Genesungswünsche der Vereinsmitglieder, vieler Weggefährten und geradezu zahlloser Turn- und Sportfreunde aus aller Welt zu überbringen.

Trotz optimaler medizinischer Versorgung und sofort eingeleiteter Operation wird der Cottbuser Turner, der bereits für die Olympischen Spiele in Athen nominiert war, nach seinem schweren Trainingsunfall, bei dem er sich eine Halswirbel-Fraktur zuzog und das Rückenmark gequetscht wurde, nach medizinischem Ermessen kopfabwärts gelähmt bleiben.

Ziesmer wird noch bis zu einem dreiviertel Jahr im Krankenhaus bleiben und sich dort auf sein weiteres Leben vorbereiten. Dies tut er mit derselben Akribie und dem selben Ehrgeiz, die Ihn schon als Turner auszeichneten.
Unterstützt wird er dort neben dem Team des ukb, vor allem von seiner Freundin und seiner Familie.
«Wir können ihm nicht die Hoffnung geben, wieder gehen zu können, wir können ihm aber die Hoffnung geben, wieder ein erfülltes Leben führen zu können», so Chefarzt Andreas Niedeggen.
Robert Juckel erwägt nach Olympia sein Karriere-Ende
Der Cottbuser steht immer noch unter dem Eindruck des schweren Unfalls von Freund und Trainingskamerad Ronny Ziesmer
24.07.04
Robert Juckel vom SC Cottbus Turnen wird sich jetzt mit Vollgas auf die Olympischen Spiele in Athen (13. bis 29. August) vorbereiten – ungeachtet der Folgen, die Trainingskamerad und Freund Ronny Ziesmer bei seinem schweren Unfall jetzt durchlebt.

«Was nach Olympia kommen wird, ist aber momentan völlig offen» , sagte der 22-Jährige gestern in seinem ersten Interview nach dem Unfall der RUNDSCHAU.
Auch elf Tage nach dem Unglück von Ronny Ziesmer im Bundesleistungszentrum Kienbaum steht Juckel unter «Schock». «Ich war am Boden zerstört, als ich die Nachricht erhielt. Ich habe wirklich überlegt, ob ich den Sport weiter ausüben kann. Und diese Frage steht für mich immer noch im Raum» , sagte Juckel weiter. «Natürlich haben wir alle von den Gefahren, die es auch im Turnen gibt, gewusst. Aber solange nie etwas passiert ist, hat man das verdrängt. Ich bin seit 15 oder 16 Jahren beim Turnen dabei, es ist eine wunderschöne Sportart. Aber am Ende hat man nichts davon. Und ich weiß nicht, ob es dass alles noch wert ist» , beschreibt der Soldat der Sportförderkompanie seine Ängste und Bedenken seit dem 12. Juli.
Jetzt will sich Juckel aber seinen Lebenstraum Olympia erfüllen. Auch weil er glaubt, das dies im Sinne von Ziesmer, der inzwischen die Intensivstation im Unfallkrankenhaus Berlin (UKB) verlassen hat, sei. «Seine aufmunternden Worte haben uns allen große Kraft gegeben. Mir haben seine Worte sehr geholfen, denn es ist schwer, Athen wieder ins Auge zu fassen. Aber Ronny war schon immer ein großer Kämpfer» , sagte Juckel, der sich ab Sonntag mit den weiteren Nationalmannschafts-Athleten des Deutschen Turner-Bundes (DTB) zum letzten Lehrgang vor der Abreise am 8. August nach Athen in Kienbaum trifft.
Möglicherweise wird aber Athen dann das Ende der Turnerkarriere von Robert Juckel sein. «Es ist der Höhepunkt. in meiner Laufbahn. Vielleicht sollte ich danach aufhören» , fragt sich der amtierende deutsche Meister am Reck. «Ich wollte mich ohnehin nach Olympia neu orientieren und hinterfragen, was kann ich noch erreichen. Und jetzt der schwere Unfall von Ronny» , zeigt sich Juckel nachdenklich.
Nach den Olympischen Spielen will Juckel den für ihn schweren Gang ins UKB zu Ronny antreten. Die ehemaligen Trainingskameraden haben sich in ihrer gemeinsamen Zeit in Stuttgart angefreundet, «wir sind auch mal ein Bier trinken gegangen» , so Juckel. Jetzt hat er nicht die Kraft dazu, auch nicht am Montag, wenn Ziesmer 25 Jahre alt wird. «Ich glaube, mich würde es mental sehr weit zurück werfen. Ich möchte in meinem Kopf noch ein Weile das Bild von Ronny behalten, das ich immer hatte und noch habe» , beschreibt Juckel seine Angst vor der Auseinandersetzung mit dem Unfall und den gravierenden Folgen für seinen Freund.
«Nach Athen werde ich auf jeden Fall den Weg zu ihm suchen. Wenn ich ihm irgendwie helfen kann, werde ich dann für Ronny da sein» , verspricht Robert Juckel. (source: lr-online.de)
Verabschiedung von Brandenburgs Olympiateilnehmern
«Wir Brandenburger bangen und hoffen mit ihm.»
22.07.04
Anlässlich der Verabschiedung von Brandenburgs Olympiateilnehmern in Teltow schlug Ministerpräsident Matthias Platzeck auch eine gedankliche Brücke zum verunglückten Cottbusser Turner Ronny Ziesmer. Während er den Olympiateilnehmern die Daumen für Athen drücke, seien seine Gedanken bei Ziesmer, sagte der Regierungschef. Das Schicksal des Cottbusser Turners gehe ihm nahe. «Wir Brandenburger bangen und hoffen mit ihm.»
Eulen nach Athen
DaimlerCrysler-Bank solidarisiert sich mit der Turnfamilie
21.07.04
Anlässlich der Verabschiedung der Olympiateilnehmer der Region Stuttgart und der Maskottchenaktion "Eulen nach Athen" hat auch die DaimlerChrysler Bank ein Spendenkonto für Ronny Ziesmer eingerichtet.
Dr. Roland Folz, Vorstandsvorsitzender der DaimlerChrysler Bank, zeigte sich bestürzt vom Trainingsunfall des Turners Ronny Ziesmer. ...

Die DaimlerChrysler Bank erklärte sich spontan bereit Ronny Ziesmer mit einem Betrag von 5.000 Euro zu unterstützen.

Rainer Brechtken, Präsident des Schwäbischen und Deutschen Turner-Bundes zeigte sich äußerst erfreut: "Es ist ein großes Zeichen der Solidarität der DaimlerChrysler Bank für unseren Turner. Wir sind sehr dankbar."
Der Schwäbische Turnerbund mit seinem Bundesstützpunkt, dem Kunst-Turn-Forum Stuttgart, in dem Ronny Ziesmer seit zwei Jahren innerhalb der Konzentrationsmaßnahmen des DTB trainierte, übernimmt für seine Spendenaktionen dieses Konto. "Wir rufen die Turnfreunde des Landes auf, Ronny zu unterstützen," so Brechtken weiter. Dabei geht es vor allem darum, Ronny Ziesmer und seiner Familie bei den zu erwartenden Kosten nach Abschluss seiner stationären Reha-Maßnahmen finanzielle Hilfestellung zu geben.
Derweilen sah sich nun auch Ronny's Trainingskamerad Thomas Andergassen (im Foto mit Robert Juckel) in der Lage, sich persönlich in einem Brief an Ronny zu wenden:
'WIR WERDEN FÜR DICH TURNEN!'
Hi Ali! Ich kann es immer noch nicht glauben, das mit Deinem Unfall! Der Schock sitzt bei uns allen noch verdammt tief. In jeder freien Minute, ob zu Hause oder im Training, muss ich an Dich denken. Wenn wir in der Halle stehen, merke ich, dass ein Teil von uns fehlt. Wir haben uns gemeinsam auf die Olympischen Spiele vorbereitet und sind bis zu diesem Zeitpunkt den Weg zu unserem Traum zusammen gegangen. Ronny glaube mir, Du gehst auch jetzt diesen Weg mit uns! Eins ist für uns als Mannschaft klar, du wirst immer zum Team gehören. Vielleicht nicht mehr als aktiver Turner, aber als Mensch und guter Freund. Du gehst in Gedanken mit uns nach Athen und wir werden dort für "unser" gemeinsames Ziel kämpfen! WIR WERDEN FÜR DICH TURNEN! Ronny, ich habe Dich als Kämpfer kennengelernt und tagtäglich als Kämpfer im Training erlebt. Ich weiß, dass ich Dich auch in dieser neuen, schweren Situation kämpfen sehe. Egal, wie groß die Berge vor Dir auch sein mögen und wie lang und anstregend die Wege, die noch vor dir liegen, sind. Du schaffst das!!! Ich Glaube an Dich! Dein Thomas"
RESPEKT und VERBEUGUNG
Respekt für Ronny's Auftrag, Respekt für das Auftreten der deutsche Turner
20.07.04
"Einen schönen Gruß an alle Jungs... sie sollen die 'Arschbacken' zusammenkneifen und ein ordentliches Ding machen, ...auch in Athen... und wenn sie mögen, auch ein wenig für mich...!

Diese Botschaft brachte sein Cottbuser Heimtrainer Gunther Schönherr einen Tag vor dem wohl schwersten Auftreten deutscher Turner direkt vom Krankenbett Ronny's mit. Auch seine Freundin Kati war lange bei ihm. Zahllose Freunde, Bekannte und Unbekannte aus aller Welt bekundeten bereits ihre ganz persönlichen Grüße und Wünsche, die sicherlich viel dazu beitragen werden, die zweifellos schwierige und komplizierte neue Lebensphase beginnen zu können. Hierbei wurde auch der entsprechende Respekt gezollt für die Leistungen der deutschen Turner bei Ihrem letzen Olympiatest. >br>
Verneigen wir uns vor einer enger zusammengerückten Turner- und Sportlerfamilie, Ihren Leistungen und vor allem vor Ronny und seiner Kraft, eine solche Botschaft auf den Weg zu geben, denn so Bundestrainer Hirsch:
Der Unfall von Kienbaum hat für Turner beinahe alles verändert. "Alles, dem sie das ganze Leben hinterhergejagt sind, scheint wertlos." Doch der engagierte Trainer weigert sich, den Sport nun in Frage zu stellen. "Er hat so viele Werte für unsere Gesellschaft und wichtige Funktionen - er ist ein Stück Kulturgut, das man nicht aufgeben darf. Er zeigt, was Menschen machen können, wenn sie ihr Talent fördern. Und wenn mir begabte junge Leute sagen, sie wollen einen Wettkampf, dann habe ich das zu begleiten und mit Respekt zu behandeln." Die Turner, das weiß Hirsch, werden ihr weiteres Leben mit einer völlig anderen Wertvorstellung gestalten: " Sie werden sich nicht von irgendwelchen Nichtigkeiten treiben lassen."
(µ)



lesen sie bei gymworld einen weiteren Artikel (english language)
Ronny Ziesmer – eine Woche nach dem Unfall.
Der Trainingsunfall des 24-jährigen Cottbuser Turners vor einer Woche löst eine riesige Welle der Hilfsbereitschaft aus.
19.07.04
Ronny Ziesmers Unfall erschüttert verständlicherweise die (Sport-)Nation. Ein solches Schicksal bedeutet immer eine Zäsur, die erst einmal bewältigt werden muss Statt sich weiter auf die Olympischen Spiele vorbereiten zu können, muss sich der Turner Ronny Ziesmer auf ein Leben im Rollstuhl einstellen. Seit seinem Trainingsunfall ist der Cottbuser querschnittgelähmt.
Zahlreiche Menschen, Sportler, Institutionen und Unternehmen wollen ihn nicht im Stich lassen. So soll er sich voll und ganz seiner Rehabilitation widmen können und nicht noch zusätzlich finanzielle Nöte zu bewältigen haben.
Etwa tausend behinderte Menschen jährlich teilen Ronny’s Schicksal und werden in Folge von Unfällen und Krankheiten querschnittgelähmt. Etliche weitere müssen sich nach anderen Unfällen oder Krankheiten auf ein Leben mit Behinderung einstellen. Die wenigsten von ihnen sind vor den Folgen der Behinderungen durch Versicherungen oder Spendenaktionen finanziell abgesichert. Sie müssen im Gegenteil befürchten, ins soziale Abseits gedrängt oder gar in Heime ausgesondert zu werden, wenn sie die notwendigen Hilfen nicht aus eigenem Einkommen und Vermögen bezahlen können. Ronny Ziesmer soll nicht um einen geeigneten Rollstuhl, andere Hilfsmittel oder personelle Hilfen kämpfen müssen !
Doch was für ihn gut und richtig ist, müsste auch für andere Menschen mit Behinderungen gelten: Nicht die Art und Ursache der Behinderung darf maßgeblich für die Gewährung von Hilfeleistungen jeglicher Art sein. Im Gegenteil muss jeder behinderte Mensch die bedarfs- und bedürfnisdeckenden Leistungen erhalten, die ihm ein chancengleiches Leben mitten in der Gemeinschaft ermöglichen.



SPENDENKONTO:

SC Cottbus Turnen e.V.
Sparkasse Spree-Neiße
BLZ: 180 500 00
Konto: 32 11 10 33 08
Stichwort: Ziesmer
Für eine kurze Zeit trat die Trauer in den Hintergrund
Fünf Tage nach dem schweren Unfall des Kunstturners Ronny Ziesmer haben sich seine Teamkollegen erfolgreich einem Länderkampf gestellt
19.07.04
Der Jüngste scheint den Schock noch am besten zu verarbeiten. Fabian Hambüchen, 16 Jahre alt, Schüler aus Wetzlar und Mitglied im Olympia-Team der deutschen Kunstturner, lässt nach dem Länderkampf am Samstagabend, fünf Tage nach dem schweren Unfall seines Mannschaftskollegen Ronny Ziesmer, kein Mikrofon aus, gibt allen Fragenden Auskunft und kritzelt seine Unterschrift geduldig auf jedes Blatt der Autogrammjäger. Mit erhobenem Kopf marschiert er anschließend zur Pressekonferenz und setzt sich dort selbstbewusst zwischen den Cheftrainer des Deutschen Turner-Bundes, Andreas Hirsch, der seinen Blick abwesend durch den Raum schweifen lässt, und den Mannschaftskapitän Sven Kwiatkowski, der zu Boden starrt. "Ich war locker während des Wettkampfes", sagt Hambüchen, "ich weiß, was ich kann, und das habe ich heute gezeigt."

Die Worte von Hirsch und Kwiatkowski klingen anders: "Wir sind physisch fit. Aber psychisch haben wir große Probleme", sagt Kwiatkowski, und der Trainer fügt hinzu: "Es ist nicht abzusehen, bis wann wir den Unfall verarbeitet haben." Seit einer Woche werden die Turner von einem Psychologen betreut. Hambüchen braucht den wohl nicht, aber damit ist er die Ausnahme.

Am Montag hatte Ziesmer sich im Trainingslager in Kienbaum so schwer verletzt hat, dass er dauerhaft gelähmt bleibt. In den Tagen danach war lange diskutiert worden, ob der geplante Länderkampf in Schwäbisch Gmünd unter diesen Umständen überhaupt stattfinden sollte. "Letztendlich waren es die Athleten, die auch mich überredet haben zu starten. Ich habe vor der Mannschaft die Hosen heruntergelassen und gesagt: Ich kann nicht mehr", sagt Hirsch, der Ziesmer schon im Jugendkader trainiert hat. Es sei der Wunsch Ziesmers gewesen, dass die Mannschaft antritt, erklärt Kwiatkowski und ergänzt: "Im Nachhinein bin ich froh, dass wir gestartet sind." Als eine Art Beschäftigungstherapie. Als eine Art der Ablenkung. Als Zeichen dafür, dass es weitergehen muss, irgendwie. Das Ergebnis des letzten Tests vor Athen, den Rumänien mit 227,55 Punkten vor Deutschland (223,45 Punkte) und Italien (215,9 Punkte) gewann, war nebensächlich. "Wichtig ist, dass wir weitergemacht haben", sagt der Stuttgarter Thomas Andergassen.

Tatsächlich schienen die deutschen Turner den Schock der vergangenen Woche verdrängen zu können. Am Reck schlugen Robert Juckel, Hambüchen, Kwiatkowski und der an Ziesmers Stelle für Athen nachnominierte Matthias Fahrig sogar mit 37,85 Punkten den Europameister aus Rumänen. Nachdem die letzten Übungen am Boden absolviert waren, huschte gar ein Lächeln über die Gesichter der deutschen Olympiastarter, und Fahrig reckte den 1650 Zuschauern erleichtert die Faust entgegen. "Es war ein Startschuss für uns", sagte Hirsch später, "es war ein gutes Zeichen, nach der menschlichen Niederlage wieder aufzustehen." Kurzzeitig schien "die komplizierte Zeit der vergangenen Tage" in den Hintergrund zu treten. Kurzzeitig hat die Beschäftigungstherapie gewirkt - aber eben nur kurzzeitig.

"Als bei der Siegerehrung die Sprache auf Ronny kam, da war die ganze Trauer, die ganze Wut, die ganze Angst wieder da", sagt Andergassen, der am Samstag den Sprung ausließ. Normalerweise zeigt er dort den Tsukahara mit Doppelsalto. Bei diesem Element war Ziesmer verunglückt. "Es ist eine ständige Wellenbewegung. Auf ein Hochgefühl folgt immer wieder die Niedergeschlagenheit", sagt Hirsch. Er blickt mit leerem Blick in die Runde. Die Olympiavorbereitung der Kunstturner geht weiter. Hirsch: "Aber es ist nichts mehr wie zuvor."
(fr)

Spendenkonto:
SC Cottbus Turnen e.V. Sparkasse Spree-Neiße (BLZ 180 500 00,
Konto 32 111 033 08,
"Hilfe für Ronny Ziesmer")
Die bestandene Prüfung
"Er wird immer zur Mannschaft gehören"
30.11.-1
Als Robert Juckel ein erstes Mal seine Hand in Richtung Zuschauer hob, ein kleines Winken andeutete, da wirkte es wie ein Signal zum Durchatmen. Oberflächlich betrachtet, war es ein Wettkampf wie viele andere auch an diesem Samstag abend in Schwäbisch Gmünd: Eine gutgefüllte Turnhalle, ein Moderator, der seine Unsicherheit mit unpassenden Versuchen der Stimmungsmache überspielte, begeistert klatschende Zuschauer, sinnlose Musikberieselung.
Doch seit vier Tagen ist für die Hauptdarsteller auf dieser Turnbühne nichts mehr, wie es vorher war - und alle krampfhaften Versuche, bei einem Länderkampf gegen Rumänien und Italien Normalität zu demonstrieren, waren naturgemäß zum Scheitern verurteilt.

Auftrag aus dem Krankenhaus: Die sollen sich zusammenreißen
Aber sie mußten ein Vakuum füllen: "Wir haben geredet, geredet, geredet. Jeder mit jedem, die Athleten untereinander, die Athleten mit den Trainern, der Cheftrainer mit den anderen Trainern", sagt Thomas Andergassen. Der Stuttgarter Turner, der ohnehin alles hinterfragt, ist ebenso wie Mannschaftskapitän Sven Kwiatkowski im Gesicht deutlich gezeichnet vom tragischen Geschehen.

Wichtige Unterstützung bekommen sie vom Heidelberger Sportpsychologen Hans-Dieter Hermann. Hirsch setzte das Training aus, überließ es seinen Athleten, ob sie an die Geräte gehen wollten oder nicht. Als er ihnen zeigte, wie auch er litt, gaben sie ihm neue Motivation. Erst anderthalb Tage vor dem Wettkampf entschieden sich die Turner, zum Länderkampf anzutreten. Gunter Schönherr, langjähriger Heimtrainer von Ronny Ziesmer, der mit ihm vor zwei Jahren von Cottbus an den Stützpunkt in Stuttgart gezogen war, hatte aus dem Krankenhaus den "Auftrag" mitgebracht: Die sollen sich zusammenreißen.

Andergassen, der in seinem Wettkampfprogramm den Sprung hat, bei dem Ziesmer verunglückte, ließ in Schwäbisch Gmünd dieses Gerät aus. Robert Juckel trat an - "er hat seinen wahrscheinlich wichtigsten Sprung überhaupt gemacht", sagt Hirsch. Juckel ist zwei Jahre jünger als Ronny Ziesmer, stammt aus demselben Verein und war mit ihm nach Stuttgart gegangen. Erst nach dem Einturnen in Schwäbisch Gmünd sagte er dem Trainer, daß er springen werde. Und Hirsch honorierte es auf seine Art: hier eine beruhigende Hand auf der Schulter, dort ein Streicheln über den Kopf. Bis nach dem Bodenturnen, der letzten Übung, die Dämme brachen: Jeder einzelne wurde von allen anderen Mannschaftsmitgliedern innig umarmt; offensichtlich trat die Freude der jungen Männer zutage, gemeinsam diese schwerste Prüfung ihrer bisherigen Laufbahn bestanden zu haben.
Sie hatten sich überwunden in ihrem Zustand aus Traurigkeit und Angst, sie hatten ein wichtiges Zeichen gesetzt. Und sie hatten Kräfte mobilisiert für bessere Leistungen, als die meisten von ihnen sie in den vergangenen Monaten geboten hatten - im Bewußtsein, sich für die anderen einzusetzen, ohne im Falle eines Fehlers verdammt zu werden. "Was wir geschafft haben, ist eine Selbstbestätigung, die jeden Egoismus hintenanstellt", sagte Hirsch. Seine Anspannung löste sich, als der letzte seiner Turner ohne Verletzung von der Matte ging: "Gesunde Athleten hatten bisher für mich eine Bedeutung im Zusammenhang mit der Mannschaftsleistung - jetzt ist ein gesunder Athlet für mich etwas anderes."
Der Unfall von Kienbaum hat für diese Gruppe beinahe alles verändert. "Alles, dem ich das ganze Leben hinterhergejagt bin, war scheinbar wertlos." Doch der engagierte Trainer weigert sich, auch bei allen Sicherheitsbedenken den Sport nun in Frage zu stellen. "Er hat so viele Werte für unsere Gesellschaft und wichtige Funktionen - er ist ein Stück Kulturgut, das man nicht aufgeben darf. Er zeigt, was Menschen machen können, wenn sie ihr Talent fördern. Und wenn mir sechs begabte junge Leute sagen, sie wollen einen Wettkampf turnen, dann habe ich das zu begleiten und mit Respekt zu behandeln." Diese Turner, das weiß Hirsch, werden ihr weiteres Leben mit einer völlig anderen Wertvorstellung gestalten: " Sie werden sich nicht von irgendwelchen Nichtigkeiten treiben lassen."

„Er wird immer zur Mannschaft gehören“
Noch übermannt sie immer wieder der Schmerz. Robert Juckel hielt sich mit Mühe in Schwäbisch Gmünd aufrecht. Schon zu Beginn des Länderkampfes waren ihm bei der Nationalhymne die Tränen gekommen, bei der Siegerehrung konnte er sich nicht mehr beherrschen. Fluchtartig verließ er die Halle. "Niemand zwingt ihn, eine Situation zu meistern, die er nicht meistern kann", sagte Hirsch. Keiner von ihnen kann sich vorstellen, was auf Ronny Ziesmer zukommen wird. "Er wollte doch immer nur turnen", sagt Thomas Andergassen verzweifelt. "Ronny wird uns jetzt brauchen", sagt er und verspricht: "Er wird immer zur Mannschaft gehören. Nicht mehr als Turner, aber als Mensch."
Die Mannschaft, ohnehin eine gute Mischung, ist noch enger zusammengerückt. Jeder versucht, das Geschehen auf seine Weise zu verarbeiten. Dazu gehört auch, daß alle herzhaft lachen, wenn die beiden Jüngsten, Fabian Hambüchen oder Matthias Fahrig, ungewollte Komik erzeugen. Und irgendwann, so hofft Andreas Hirsch, "irgendwann werden wir auch wieder mit Ronny lachen".
(faz)
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