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Deutsches Team um Cottbuser Boy greift nach EM-Gold
Die deutschen Turner greifen am heutigen Samstag erstmals bei Europameisterschaften nach der Goldmedaille in der Team-Konkurrenz. Das Quintett um Fabian Hambüchen und den Cottbuser Philipp Boy zog am Freitag mit 263,300 Punkten als Zweiter des Vorkampfes in das Mannschafts-Finale der Titelkämpfe von Birmingham ein.
24.04.10
Die Bestnote erturnten die Franzosen mit 263,850. Sie behaupteten sich vor den Deutschen und Gastgeber Großbritannien (262,025).

Zudem erkämpften die Deutschen acht Plätze für die Gerätefinals am Sonntag, in denen sie beste Titel- und Medaillenchancen vor allem am Boden, Sprung und Reck haben. Edelmetall ist dabei auch für Philipp Boy möglich. Er verbuchte mit 15,375 Punkten am Reck die zweitbeste Note nach Fabian Hambüchen. Dieser turnte sich mit dem höchsten Ausgangswert (7,0) am Reck mit dem Spitzenresultat von 15,550 Punkten erneut in die Favoritenrolle an diesem Gerät. Seinen EM-Titel am Boden kann Hambüchen dagegen nicht mehr verteidigen und verpasste auch am Barren die Finalchance. In drei Gerätefinals steht „Kronprinz“ Marcel Nguyen: am Barren gemeinsam mit Matthias Fahrig sowie im Sprung und an den Ringen.

Bei den Junioren platzierte sich das deutsche Team mit dem Cottbuser Christopher Jursch auf Rang fünf im Endklassement hinter den Rumänen. Gold ging an die Gastgeber aus Großbritannien, die vor der Schweiz und Frankreich landeten. Jursch, Schützling von Horst Werner, erzielte mit 82,000 Punkten persönliche Bestleistung und geht als Achter der Einzelmehrkampfqualifikation ins Finale. Eher unerwartet erreichte der 17-Jährige auch das Pauschenpferd-Finale.
(lr-online.de)
Nico Gärtner feiert EM-Gold in bulgarischer Nobeldisco
Nach dem Gewinn der Goldmedaille im Teamwettbewerb in der Disziplin Doppel-Mini-Tramp bei den Trampolin-Europameisterschaften haben es Nico Gärtner und seine Teamkollegen ordentlich krachen lassen und den Titel in einer bulgarischen Nobeldisco bis in den Morgengrauen gefeiert. „Das war Pflicht und echt lustig“, so der Cottbuser am Freitag.
23.04.10
Die fröhliche Feier endete allerdings mit einer kleinen Überraschung: Nico Gärtner und Co. landeten danach im falschen Hotel, mussten im nächtlichen Varna per Taxi ihre Herberge suchen.

Zuvor hatte das Team mit Nico Gärtner, Daniel Schmidt (Bramfeld), Laszlo Pobloth (Frankfurt/M.) und Peter Drodzik (Bad Kreuznach) nach einem sehr guten Wettkampf mit 109,4 Punkten vor Russland (108,9) und Großbritannien (101,0) Gold im Teamwettbewerb gewonnen (die RUNDSCHAU berichtete). Im Einzel der Herren konnte sich Daniel Schmidt als Dritter für das Finale am Samstag qualifizieren. Peter Drodzik liegt nach einer für ihn sehr guten Leistung als Neuntplatzierter auf dem Reserveplatz für das Finale. Nico Gärtner verpasste dagegen als Elfter den Endkampf der Top-8. „Ich habe etwas zu hoch gepokert, aber Gold im Team ist mehr als wir erhoffen durften und natürlich eine schöne Entschädigung. Es war ein unbeschreibliches Gefühl, mit der Goldmedaille um den Hals die Hymne zu singen“, erklärte der 28-Jährige, der nach mehreren Silber- und Bronzemedaillen bei World Games, WM und EM erstmals mit einer Goldmedaille im Gepäck nach Cottbus zurückkommen wird.

Fortsetzen will Gärtner auf jeden Fall die Gesprächs-Therapie mit seiner Cottbuser Psychologin. Nach familiären Schicksalsschlägen war der Industriekaufmann im Herbst 2009 in ein mentales Loch gefallen (die RUNDSCHAU berichtete). „Ich denke, der Schritt hat sich absolut gelohnt und ich möchte gern die Zusammenarbeit fortsetzen“, sagte Gärtner. Schließlich warten vom 11. bis 13. November in Metz (Frankreich) die Weltmeisterschaften – und da möchte Nico Gärtner neben der Mannschaft auch im Einzel wieder um eine Medaille turnen.
(lr-online.de)
«Coole Truppe» will Gold
Der «König» unter Volldampf, die «Kronprinzen» in Lauerstellung und das Team mit Goldchance: Mit Zuversicht und besten Aussichten gehen die deutschen Turner um Fabian Hambüchen in die Europameisterschaften von Birmingham.
22.04.10
Wegen der Vulkanasche aus Island stand die Anreise der Teams zwar unter keinem guten Stern, die Deutschen brachten aber auch die fast 19-stündige Bus-Tortur und der geänderte Zeitplan nicht aus dem Konzept.

Nachdem sich Hambüchen vor Jahresfrist in Mailand als erster Deutscher die Mehrkampf-Krone aufsetzen konnte, stehen diesmal die Vorzeichen anders: In Birmingham ist das Team der Star - zumindest aus Sicht von Cheftrainer Andreas Hirsch. Schließlich besteht die große Chance, erstmals in der 55-jährigen EM-Geschichte das Mannschafts-Gold nach Deutschland zu holen. Und in dieser Situation erweist sich Hambüchen in jeder Trainingsminute als echter Teamplayer, kämpft um jeden Zehntelpunkt für die Mannschaftswertung.«Es nimmt total den Druck von mir, dass wir diesmal so brutal viele Finalchancen haben.

So muss ich mir nicht ständig sagen: Oh, jetzt liegt es wieder an Dir...», gibt sich der fünfmalige Europameister entspannt. «Die Stimmung im Team ist fantastisch: Jeder hilft jedem und tritt ihm auch mal in den Hintern, wenn es nicht läuft. Wir sind einfach eine coole Truppe», schilderte der Wetzlarer.Da sowohl Marcel Nguyen und Matthias Fahrig in den vergangenen Monaten gravierende Fortschritte nachwiesen, Philipp Boy am «Königsgerät» sogar dem dreifachen Reck-Champion Hambüchen das Wasser reichen kann, ist die Zuversicht im Team riesig. «Sicher, wir wollen was holen.

Aber wir sprechen lieber über den Weg als über das Ziel», versuchte Andreas Hirsch die Trainings-Euphorie zu bremsen und verweist auf den «Lotterie»-Modus, der keinen Streichwert zulässt und damit jeden Aussetzer gnadenlos bestraft.«Wir können mit der Mannschaft voll punkten», hofft Philipp Boy, der nun vom Reck-Finale träumt.

Bei der Generalprobe in Dessau schaffte der 22-jährige Cottbuser sogar eine höhere Note als Hambüchen. Wenn er sich diesmal nicht wieder selbst zu viel Druck macht, könnte er mit einer Medaille in Birmingham aus dem Schatten seines schier übermächtigen Kollegen heraustreten. «Der Konkurrenzkampf ist für mich zusätzliche Motivation», sagte er.

Hirsch ist natürlich erfreut über die Konkurrenz im eigenen Team nach dem Motto: Reibung bringt Fortschritte. Gleichsam trifft das auf den Boden zu, an dem mit Hambüchen, Nguyen und Fahrig gleich drei Deutsche aussichtsreich im Kampf um Medaillen sind, jedoch maximal zwei das Finale erreichen können. «Da muss ich mich schon ganz schön strecken, um meine beiden Kollegen zu überbieten», meinte Hambüchen - immerhin der Titelverteidiger an diesem Gerät.
(FTD)
Boy - Im Schatten der Hambüchen-Eupohrie
Philipp Boy gilt vielen Experten als zweitbester deutscher Kunstturner. Doch außerhalb der Fachwelt ist der 22-Jährige kaum bekannt. Das öffentliche Interesse fokussiert sich auf Fabian Hambüchen. Nach der EM in Birmingham (21. April - 2. Mai) könnte sich das ändern.
22.04.10
Sein Tag ist voll. Training, Massage, Abendessen. Phillipp Boy hat wenig Zeit für ein Gespräch. Schließlich will er sich nicht mehr ablenken lassen. Die Anreise hatte schon lange genug gedauert. Nach 19 Stunden mit dem Bus kam die deutsche Nationalmannschaft am Montag (19.04.2010) endlich im Hotel in England an. Schuld daran trägt der Vulkanausbruch in Island. Die Europameisterschaften im Kunstturnen in Birmingham sind einer der Saisonhöhepunkte für die deutschen Athleten. Und Philipp Boy hat sich einiges vorgenommen. "Wir können mit der Mannschaft voll punkten", sagt der 22-Jährige. "Ich selber träume vom Reck-Finale. Was ich dann erreichen kann, muss man sehen."

Die Zuversicht ist begründet. Philipp Boy ist seit einigen Jahren einer der besten Turner Deutschlands. Neben einigen anderen Erfolgen wurde er bei den Weltmeisterschaften in Stuttgart Dritter, bei den Olympischen Spielen in Peking Vierter, jeweils mit der Mannschaft. Einige Experten sagen, er ist die Nummer zwei hinter Fabian Hambüchen. Aber eben nur die Nummer zwei. Sein Konkurrent aus Wetzlar überstrahlt alles. Hambüchen steht in Deutschland für diesen Sport wie einst Boris Becker für das deutsche Tennis. Die übrigen Athleten treten kaum einmal aus dem Schatten dieses schier übermächtigen Kollegen heraus.

"Das nervt nicht", sagt Philipp Boy. "Der Fabian hat seine Erfolge, und die sind schon beeindruckend. Der Konkurrenzkampf ist eher zusätzliche Motivation, um diese Ziele auch zu erreichen." Fasst schon ein wenig zu viel Harmonie zwischen zwei Athleten, die sich stets im Hochleistungsbereich messen.

"Natürlich wollen Spitzensportler auch Anerkennung erfahren. Auch deshalb betreiben sie ihren Sport so intensiv. Das ist bei Philipp nicht anders", sagt Karsten Oelsch. "Da ist auch immer eine Spur gesunde Eitelkeit dabei." Oelsch ist Boys Vereinstrainer beim SC Cottbus und arbeitet seit 2007 mit dem hochtalentierten jungen Mann zusammen. Oelsch findet, dass Philipp Boy ein Turner ist, der "keine richtige Schwäche hat. Und seine Stärke ist sicherlich das Reck". Deshalb traut der Trainer seinem Schützling viel zu. "Ziel für ihn ist eine Medaille bei den Olympischen Spielen. Wenn alles optimal läuft bis 2012 in London, kann er das sicherlich schaffen."

Carsten Oelsch weiß um den großen Ehrgeiz und den Eifer seinesTurners, der sich "manchmal vielleicht selbst zu viel Druck macht". Der Grund dafür? Oelsch zögert ein wenig. "Es ist auch nicht ganz so einfach für ihn, dass der Fabian vor ihm steht. Das hindert ihn vielleicht auch manchmal, seine volle Leistungsfähigkeit auszuspielen", sagt Oelsch.

Philipp Boy hat gerade im vergangenen Jahr eine wichtige Entscheidung für sich getroffen. Er hat seine Banklehre abgebrochen, um sich voll auf seinen Sport konzentrieren zu können. "Ich habe gedacht, das geht zusammen: Ausbildung und Hochleistungssport. Aber jeden Tag 15 Stunden hart an beiden Karrieren zu arbeiten, ist nicht möglich", sagt Boy. Er ist nun Mitglied der Sportfördergruppe der Bundeswehr und kann sich voll auf seine Leidenschaft konzentrieren. "Das macht sich in meinen Leistungen bemerkbar", meint Boy. Er will sich später nicht vorwerfen, nicht alles versucht zu haben, um seine optimale Leistungsfähigkeit zu erreichen.

Andreas Hirsch ist derjenige, der die sensible Aufgabe hat, die unterschiedlichen Interessen der deutschen Turner möglichst geschickt zu händeln. Der Bundestrainer sieht vor allem eine große Chance in dem speziellen Innenverhältnis zwischen den Athleten. "Die Jungs kennen sich doch schon so lange. Sie haben sich aneinander gewöhnt", sagt Hirsch. Außerdem würden sie doch täglich hautnah miterleben, dass auch Fabian Hambüchen sich alles jeden Tag im Training hart erarbeiten müsse und sich nicht auf sein Talent verlassen könne.

Es bestehe ein kollegiales Verhältnis unter den Athleten. "Sie haben Fabian doch jeden Tag direkt vor der Nase", sagt Hirsch. "Es gibt die Chance, ihm nachzueifern." Zuletzt in Dessau, beim Länderkampf gegen Polen, wenige Tage vor der EM, hat Philipp Boy einen wichtigen Erfolg für sich verbuchen können. Er verwies Fabian Hambüchen am Reck auf den zweiten Platz. "Konkurrenz belebt das Geschäft", sagt Andreas Hirsch.
(ard/Jörg Strohschein)
Nico Gärtner in der Erfolgsspur
Cottbuser Trampolin-Turner gewinnt EM-Gold
22.04.10
Der Cottbuser Trampolin-Turner Nico Gärtner hat bei der EM in Varna (Bulgarien) die Goldmedaille im Mannschaftswettbewerb gewonnen. Das Team mit Gärtner sowie Daniel Schmidt (Bramfeld), Laszlo Pobloth (Frankfurt) und Peter Drodzik (Bad Kreuznach) setzte sich vor Russland und England durch.
Zuvor hatte Gärtner in seiner Spezialdisziplin Doppel-Minitramp das Finale verpasst. „Ich habe etwas zu hoch gepokert, aber Gold im Team ist mehr als wir erhoffen durften und natürlich eine schöne Entschädigung“, erklärte der 28-Jährige.
Deutschlands Junioren haben sich bei den Europameisterschaften in Birmingham in der Teamwertung den fünften Platz mit 244,350 Zählern erturnt.
Finals für Turn-Junioren in Birmingham
22.04.10
Den Europameistertitel sicherte sich mit großem Vorsprung Gastgeber Großbritannien (254.200 Punkte) vor den überraschend starken Schweizern. Am Donnerstag (22.04.2010), dem ersten Wettkampftag der Titelkämpfe auf der Insel, erreichten die Jungs von Trainer Gunter Schönherr außerdem die Teilnahme an drei Gerätfinals. Christopher Jursch schaffte zudem als Achter mit 82,000 Punkten das Mehrkampffinale. Daniel Weinert, 80,150 Punkte, landete auf Rang 18 und damit ebenfalls im Finale. Beide zogen außerdem auf Platz fünf und Rang sechs in das Pauschenpferdfinale ein. Christian Keil machte am Barren mit 13,825 Zählern auf dem sechsten Rang liegend das Finale klar.

Mit einem guten Start am Barren sorgte die Mannschaft mit Daniel Weinert, Philipp Herder, Ivan Rittschik, Christopher Jursch und Christian Keil sofort für ordentlich Rückenwind für den Wettkampfverlauf. 41,050 Punkte standen zum Auftakt zu Buche, lediglich Titelfavorit Großbritannien konnte hier mehr Zähler verbuchen. Während an Reck und Boden solide Leistungen zu verzeichnen waren, lief es am Pauschenpferd mit 39.500 Punkten und der zweitbesten Wertung bis dahin richtig gut.

Viel Pech hatten die deutschen Youngster dann an den Ringen: Sowohl bei Christian Keil als auch bei Philipp Herder riss jeweils das Riemchen bei ihrer Übung. Während es Herder in den vorgeschriebenen 30 Sekunden mit neuem Material wieder an die Ringe schaffte, lief bei Keil die Karenzzeit ab, ohne, dass er sich bei den Kampfrichtern erneut anmelden konnte. Dank des Wettkampfformates mit zwei Streichwerten pro Gerät bei dieser Jugend-EM, war für die Deutschen jedoch noch nichts verloren.

Am Schlussgerät Sprung verpasste dann Ivan Rittschik den Anlauf völlig, aber die Teamkollegen machten ihre Sache gut und bewahrten die respektable Platzierung Teams.
(dtb)
Junioren Team auf Rang 5
Christopher Jursch mit persönlicher Bestleistung in Bimingham
22.04.10
Bei den Junioren-Europameisterschaften in Birmingham platzierte sich das Deutsche Team auf Rang 5 im Endklassement hinter den Rumänen. Gold ging an Gastgeber Großbritannien, die vor der Schweiz und Frankreich die Medaillen holten. Christopher Jursch, Schützling von Horst Werner, erzielte mit 82,000 Punkten eine persönliche Bestleistung und geht als 8. der Einzelmehrkampfqualifikation in das Mehrkampffinale. Eher unerwartet erreichte er auch das Finale am Pauschenpferd und liegt an seinen eigentlichen Spezialgerät Reck auf einer Nachrückerposition.
Glückwunsch Christopher !!!
Gärtner hat wieder sein Gleichgewicht gefunden
„Es war der einzige Weg.“ Hinter Nico Gärtner liegen schwere Monate. Gleich mehrere Schicksalsschläge in der Familie haben den erfolgreichen Trampolin-Turner vom SC Cottbus im Herbst 2009 aus dem seelischen Gleichgewicht geworfen. Nach einer total verkorksten WM will Gärner in dieser Woche bei der EM in Varna (Bulgarien) wieder eine Medaille holen – und hat sich dazu im Vorfeld Hilfe bei einer Psychologin geholt.
21.04.10
Nico Gärtner ist eigentlich ein fröhlicher Typ, meist mit einem Lächeln auf den Lippen. Aber wenn der 28-Jährige an den Herbst 2009 zurückdenkt, werden seine Augen feucht. Sprechen mag er nicht über das, was ihm und seiner Familie widerfahren ist. Nur soviel: Im November in St. Petersburg (Russland) war er immer noch gehemmt. „Die WM 2009 habe ich völlig verrissen. Da ging gar nichts“, erinnert sich Gärtner, der an seinem Spezialgerät Doppel-Mini-Tramp zu den Besten seiner Zunft gehört und bei den World Games 2005 und 2009 jeweils die Bronzemedaille gewonnen hat. In Russland jedoch hat der Kopf nicht mehr mitgespielt. Platz 33 war die Quittung.

In dieser Zeit entstand die Idee, sich professionellen Rat zu holen. Schon nach seinem schweren Trampolin-Unfall im Dezember 2005, bei dem Gärtners rechte Kniescheibe zertrümmert wurde, hatte der Industriekaufmann von Vattenfall über die Hilfe eines Psychologen nachgedacht. Damals konnte sich Gärtner allein aus seiner Krise befreien – diesmal nicht.

Mit Hilfe des Olympiastützpunktes Brandenburg nahm Gärtner Anfang des Jahres Kontakt zu einer Psychologin in Cottbus auf. „Ich hatte gleich bei der ersten Begegnung ein gutes Gefühl“, berichtet Gärtner, der am Dienstag nach 43-stündiger Busreise Varna mit der Nationalmannschaft erreicht hat. Zuspruch gab es von Freunden und Familie. „Ich kann dort über alles reden. Anfangs haben wir uns öfter getroffen, inzwischen sehen wir uns seltener. Ich hätte nicht gedacht, dass die Gespräche so hilfreich sind. Ich habe jetzt verstanden, warum es so gelaufen ist.“ Für Heimtrainer Uwe Marquardt war der Schritt genau richtig. „Das hat Nico sehr geholfen.“

Bei der EM in Bulgarien will Gärtner an alte Erfolge anknüpfen, möchte seine Sammlung an WM- und EM-Medaillen mit der deutschen Mannschaft erweitern. „Ziel ist es, das Team-Finale zu erreichen. Da ist alles möglich“, glaubt Nico Gärtner, der ein Stück weit seine Fröhlichkeit und auch sein seelisches Gleichgewicht zurückgefunden hat und der EM optimistisch entgegen sieht: „Das Selbstvertrauen ist gewachsen, weil der Kopf jetzt wieder frei ist.“ Das belegt auch, dass der nächste Gesprächstermin mit Gärtners Psychologin erst weit nach dem EM-Ende anberaumt ist.
(lr-online.de)
EM in Birmingham und Varna
Die deutschen Athleten haben ihre Austragungsorte für die Turn- und Trampolin-Europameisterschaften nach längerer Anreise erreicht und bereiten sich nun auf die Wettkämpfe vor.
20.04.10
Die Turner von Cheftrainer Andreas Hirsch sind nach 18-stündiger Busreise am Montag (19.04.2010) im britischen Birmingham angekommen.

Die Trampolinturner von Chefcoach Michael Kuhn mussten mit Zwischenübernachtung eine insgesamt knapp 48-stündige Reisezeit in Kauf nehmen, um ebenfalls per Bus am Dienstagmorgen im bulgarischen Varna einzutreffen.

Bedingt durch die erschwerten Reiseumstände mit stark eingeschränktem Flugverkehr hatte der Europäische Turn-Verband (UEG) den Zeitplan für die Turn-Wettkämpfe in Birmingham um einen Tag verkürzt.

Die DTB-Athleten um Fabian Hambüchen werden nun am Mittwoch von 14:00 bis 16:30 Uhr (jeweils Ortszeit) in der Subdivision 2 das Podiumstraining bestreiten.

Die DTB-Junioren treten am Donnerstag von 12:00 bis 13:45 Uhr ebenfalls in der Subvision 2 in der Qualifikation an. Die Qualifikation der deutschen Senioren findet dann am Freitag von 14:00 bis 16:30 Uhr (Subdivision 2) statt. Für Samstag ist nach UEG-Zeitplan von 11:00 bis 13:15 Uhr das Mehrkampffinale der Junioren angesetzt. Von 14:00 bis 17:15 Uhr findet dann das Mannschaftsfinale der besten acht Senioren-Teams statt. Der Sonntag steht im Zeichen der Gerätfinals: Von 09:30 bis 11:50 Uhr kämpfen die Junioren an den sechs Geräten um die Medaillen. Die Senioren starten um 13:45 Uhr mit dem Bodenfinale und beenden diesen letzten Wettkampftag mit dem Reckfinale, dessen Siegerehrung für 17:15 Uhr geplant ist.

Bei der Trampolin-EM steht ein überarbeiteter Zeitplan noch aus, da noch nicht alle teilnehmenden Nationen eingetroffen sind. Fest steht, dass auch hier der Zeitplan um einen Tag verkürzt wurde und am Samstag (24.04.2010) die Titelkämpfe wie geplant beendet werden. Die Teams aus Finnland und Portugal haben unterdessen ihre EM-Teilnahme abgesagt.
(dtb)
Elfjähriger verbringt Stunden in der Turnhalle
20.04.10
Morgens um sieben sitzen viele Kinder am Frühstückstisch oder ziehen sich gerade an. Devin steht dann oft schon in der Turnhalle. Er ist elf Jahre alt und Gerätturner. Sein Wecker klingelt in der Woche meist um sechs Uhr. Er steht auf, isst schnell ein Brot - dann beginnt schon das Krafttraining. Nach etwa zwei Stunden schnappt er sich seinen Schulranzen und geht zur Schule. Am Nachmittag trainiert er in der Regel noch mal drei Stunden.

Der Junge mit den dunklen Haaren wohnt in einem Sportinternat in Cottbus in Brandenburg. In dem Internat leben noch andere Turner, aber auch BMX-Fahrer und Fußballer.

Devins Zuhause ist in Schwedt. Das ist mehr als 200 Kilometer entfernt, also ungefähr zwei Stunden mit dem Auto. Da ist er nur jedes zweite Wochenende. Wenn Wettkämpfe dazwischenkommen noch seltener. Dann besucht ihn aber seine Mutter, erzählt er. Und zum Glück wohnt sein großer Bruder Steve in Cottbus. Der ist auch Turner.

Devins Schule hat extra Sportklassen eingerichtet, die auf die Trainingspläne der Schüler vom Sportinternat Rücksicht nehmen. Der Unterricht beginnt später und geht dafür bis zum Nachmittag. Devins Lieblingsfächer sind Kunst - und Sport natürlich. Hausaufgaben macht der Elfjährige meist erst nach dem Abendessen. Dann duscht er noch schnell, schaut ein bisschen fernsehen und huscht dann ins Bett. Meistens sagt ihm seine Mutter am Telefon noch „Gute Nacht“, erzählt Devin.

Zum Skaten und für andere Hobbys hat Devin nur selten Zeit. Ob es ihn manchmal nervt, dass er dauernd trainieren muss? „Naja, manchmal hab ich keine Lust, aber das ist selten“, sagt er. Sein Trainer Holger Behrendt denkt sich dann oft eine Abwechslung aus, damit das Üben wieder Spaß macht. Er hat auch viele Jahre geturnt. Vor gut 20 Jahren gewann er bei den Olympischen Spielen eine Goldmedaille. „Das würde ich auch gerne schaffen“, wünscht sich Devin.

In Devins Zimmer im Sportinternat hängen Poster. Bücher und Kuscheltiere liegen herum. Er teilt sich das Zimmer mit einem anderen Turner, der ein Jahr älter ist. Devin ist mit seinen elf Jahren einer der Jüngsten im Internat.

Die beiden Jungen haben ein eigenes Telefon. Damit können sie jederzeit zu Hause anrufen. Die jungen Sportler sind nie ganz allein. Rund um die Uhr sind Erzieher da, die sich um sie kümmern.

Einen eigenen Fernseher hat Devin nicht. Er geht in einen Fernsehraum, wenn er gucken will. Aber allzulang darf er das abends nicht. Denn er muss früh wieder raus.

Devins Schule ist nicht weit vom Internat entfernt, die Turnhalle sogar direkt nebenan. Schließlich soll so viel Zeit wie möglich für das Training bleiben.

Devin isst natürlich auch im Internat. Leider - findet er - gibt es nicht so oft Jägerschnitzel. Das ist sein Lieblingsessen. Es gibt mehr Kartoffeln und Gemüse als Fleisch. Und wenig Süßigkeiten. Das ist für Sportler besser, finden die Leute von der Internatsküche.
(dpa)
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