"Ein Gefühl bekommen"

Es geschah am 12. Juli 2004 im Trainingslager der deutschen Turnnationalmannschaft. Ronny Ziesmer bereitet sich – bereits nominiert - auf sein großes Ziel, die Olympischen Spiele in Athen, vor.
Sein schwierigster Sprung soll bis Athen noch stabilisiert werden. Schon viele Male hat er ihn auf die Beine gebracht, doch diesmal misslingt der Doppelsalto rückwärts in der 2. Flugphase. Ziesmer schlägt mit dem Nacken auf. Sein Rückgrat bricht zwischen dem fünften und sechsten Halswirbel. Die schreckliche Diagnose: Querschnittlähmung – Ronny Ziesmer wird nie wieder laufen können.

Noch während seines Unglücksprungs habe er durch seine turnerisches "Raum-/Zeitgefühl" den bösen Sturz geahnt. "Man merkt schon in der Luft, dass da was nicht stimmt. Es hat vom Doppelsalto her nicht mehr gereicht, und ich habe den Kopf nicht mehr durchgekriegt." Trotz des schweren Sturzes sei er bei Bewusstsein geblieben und habe sofort gewusst, dass etwas "Schwerwiegendes" passiert sei: "Ich habe meine Beine nicht mehr gespürt und im ganzen Körper hat es gekribbelt. Man kann sich schon denken, dass nervlich etwas nicht stimmt, wenn man sich nicht mehr umdrehen oder bewegen kann." Allerdings habe er nach dem Sturz Bewegungen vermieden: "Wenn man auf den Kopf fällt, können durch Bewegungen noch größere Schädigungen entstehen." Die Diagnose Querschnittlähmung sei "erst mal ein Schlag ins Gesicht" gewesen.

Ronny gibt nicht auf: Noch aus dem Krankenhaus schickt er seinen Teamkollegen aufmunternde Grußworte nach Athen. Konsequent und willenstark absolviert er Tag für Tag sein Reha-Programm.

Ziesmer schöpft Hoffnung aus der medizinischen Entwicklung und seiner körperlichen Grundkonstitution als Turner. "Bei Querschnittlähmungen gibt es immer wieder Überraschungen, man weiß nie wo es hingeht und wie lange es dauert. Es gab schon Fälle mit schlechteren Prognosen – und nach 5 oder 10 Jahren laufen die wieder!" Diese Gedanken seien für ihn eine hohe Motivation. Die Medizin habe während der vergangenen Jahrzehnte regelmäßig große Fortschritte gemacht. Das beschäftige ihn intensiv - "da könnte man sich schon etwas erhoffen. Die Hoffnung stirbt zuletzt." Nervenschädigungen seien lang dauernde Prozesse, er wolle schauen, "was von alleine noch zurück kommt". Außerdem könne er im Gegensatz zu Nicht-Turnern "trotz fehlenden Gefühls Muskeln enervieren" und es seien für ihn "Trickbewegungen möglich, die für andere mit dem gleichen Krankheitsbild verschlossen bleiben."

Ronny Ziesmer hofft natürlich darauf, dass es mal ein Therapieverfahren gibt, das ermöglicht, seine Beweglichkeit und damit seine personliche Freiheit zu verbessern. Laufen will ich nicht sagen, aber jede Besserung im Hinblick auf ein "Gefühl bekommen", meine Finger wieder bewegen zu können, was ja jetzt überhaupt nicht geht – das wäre ein Riesengewinn. Von daher abwarten und arbeiten, arbeiten, arbeiten. Abwarten - dies soll aber nicht passiv geschehen.

Da zur Zeit weltweit noch keine medikamentöse oder chirurgische Therapie zur wirksamen Behandlung von Rückenmarksverletzungen verfügbar ist, hat sich Ronny dazu entschlossen, an der Fachhochschule Lausitz – nahe seiner Heimatstadt Cottbus ein Studium der Biotechnologie aufzunehmen.

Seit Anfang der 90er Jahre gibt es wissenschaftliche Erkenntnisse, denen zufolge die Chance besteht, Gelähmte wieder gehend zu machen oder zumindest bestimmte Körper- Funktionen teilweise wiederherstellen zu können. Die von internationalen Forschergruppen und innovativen Biotech-Unternehmen entwickelten neuen Therapieverfahren und Medikamente zur Behandlung von Rückenmarkverletzungen lassen die Hoffnung aufkommen, dass in nicht allzuferner Zeit Millionen von Querschnittgelähmten den Rollstuhl wieder verlassen können.

Damit diese Vision möglichst bald Wirklichkeit wird, müssen zuvor noch umfangreiche Forschungs – und Entwicklungsaktivitäten durchgeführt sowie das dafür erforderliche Kapital von privater und staatlicher Seite bereitgestellt werden.

Ronny Ziesmer hat sich auch diese Überzeugung zu eigen gemacht und will seine Popularität nutzen, um zum Einen die nationale und internationale Öffentlichkeit auf die Notwendigkeit der intensiveren Forschungsaktivitäten hinzuweisen und zum Anderen bei der Einwerbung von Forschungsmitteln mitzuwirken.

Auf Anregung von Ronny Ziesmer hat deshalb die Deutsche Stiftung Querschnittlähmung (DSQ) im Juli 2006 mit Gründung einer treuhänderischen Stiftung unter dem Namen Allianz der Hoffnung gegründet.

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